Am Dienstag, dem 2. Juni, wird zum 51. Mal der Internationale Hurentag begangen. Dieser macht auf die Notwendigkeit aufmerksam, die Rechte der Sexarbeitenden zu stärken, Schutz- und Hilfsangebote bekannt zu machen und den Zugang zu Unterstützung und Beratung zu verbessern. Darauf weist das Amt für Gesundheit und Prävention der Stadt Chemnitz hin.
In Chemnitz ist ein Großteil der Sexarbeitenden im Bereich der Wohnungsprostitution tätig, einige davon haben Migrationshintergrund. Oft verfügen sie nur über eingeschränkte Sprachkenntnisse und befinden sich in unsicheren sozialen oder wirtschaftlichen Lebenslagen. Andererseits gibt es auch viele Personen, die ihre Tätigkeit selbstbestimmt und unabhängig ausüben.
In Chemnitz wurde deshalb bereits 2020 die Arbeitsgemeinschaft ChemNetz gegründet. Diese ist ein Zusammenschluss lokaler Mitglieder von öffentlichen und freien Trägern, die Hilfs- und Unterstützungsangebote, Ausstiegshilfen und Beratungen für Personen in der Sexarbeit in Chemnitz geben und aktiv tätig sind.
Mitglieder sind:
- Amt für Gesundheit und Prävention der Stadt Chemnitz, Beratungsstelle sexuelle Gesundheit, Tel. 0371 488 5361, E-Mail: beratung.prostitution(at)stadt-chemnitz.de
- KOBRAnet Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel und Betroffene von Gewalt im Namen der Ehre, Tel. 0341 3068 2929, E-Mail: info(at)hillerschevilla.eu
- Daria Fachberatungsstelle Sexarbeit, Treberhilfe Dresden e.V., Tel: 0176 180 36 600, E-Mail: daria(at)treberhilfe-dresden.de
- Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Chemnitz, Tel. 0371 488 1380, E-Mail: gleichstellungsstelle(at)stadt-chemnitz.de
Die Mitglieder von ChemNetz treffen sich vierteljährlich zum fachlichen Austausch, um sich zu vernetzen und um gemeinsam Unterstützungs- und Präventionsangebote zu entwickeln. Es werden aktuelle Problemlagen besprochen, Veranstaltungen geplant sowie gemeinsam aufsuchende Sozialarbeit realisiert. Darüber hinaus werden regelmäßig externe Fachkräfte und Gäste eingeladen, um spezifische Themen aus den Bereichen Gesundheit, Prävention, Gewaltschutz, Migration oder soziale Absicherung gemeinsam zu diskutieren. Die enge Vernetzung der beteiligten Akteur:innen trägt wesentlich dazu bei, Hilfen besser aufeinander abzustimmen und Unterstützungsangebote für Sexarbeitende in der Stadt Chemnitz bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.
Die Arbeit der Fachkräfte basiert dabei auf Freiwilligkeit, Anonymität, Vertrauensschutz und einem respektvollen Umgang mit den Betroffenen. Ziel ist es, Menschen unabhängig von ihrer Lebenssituation zu erreichen, ihre gesundheitliche und soziale Situation zu stabilisieren sowie ihre Rechte und Selbstbestimmung zu stärken.
Ein zentraler Bestandteil der Unterstützungsstruktur ist die aufsuchende Sozialarbeit, bei der persönlicher Kontakt zu Sexarbeitenden aufgenommen wird. Durch die konkrete Ansprache im Arbeitsumfeld können Barrieren abgebaut und Zugänge zu weiterführenden Unterstützungsangeboten geschaffen werden. Vertrauen aufbauen, Informationen geben sowie konkrete Hilfen anbieten und vermitteln sind dabei besonders wichtig. Bei Bedarf werden Telefondolmetscher hinzugezogen. Dadurch können Fragen und Probleme schnell und verständlich besprochen werden. Die Unterstützung umfasst die gesundheitliche Beratung, Hilfe bei Behördenangelegenheiten, Existenzsicherung, Krankenversicherung, Wohnungsfragen, psychosozialen Belastungen, Gewalterfahrungen sowie Beratung bei Fragen zu Arbeitsrecht und sozialer Absicherung.
Aufsuchende Arbeit ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zu Menschen, die durch klassische Beratungsangebote schwer erreicht werden oder sich in instabilen Lebenssituationen befinden.
Rechtslage
Seit dem 1. Juli 2017 sind Personen, die in der Prostitution tätig sind, gemäß Prostituierten-schutzgesetz verpflichtet, ihre Tätigkeit anzumelden. In der Beratungsstelle sexuelle Gesundheit erfolgt zunächst eine gesundheitliche Beratung. Im Rechts- und Ordnungsamt erfolgt danach – und ausdrücklich getrennt von der gesundheitlichen Beratung – eine direkte Anmeldung für die Tätigkeit.
Information zum Internationalen Hurentag
Der Internationale Hurentag (International Whores‘ Day), auch Welthurentag genannt, wird jährlich am 2. Juni begangen. Der Tag erinnert an die Besetzung der Kirche Saint-Nizier im französischen Lyon im Jahr 1975. Dort protestierten damals Sexarbeitende gegen gesellschaftliche Ausgrenzung, repressive Gewalt sowie fehlende soziale und rechtliche Absicherung.
Auch mehr als fünf Jahrzehnte später sind viele Sexarbeitende weiterhin mit strukturellen Benachteiligungen konfrontiert. Dazu zählen gesellschaftliche Stigmatisierung, schwierige Arbeitsbedingungen, wirtschaftliche Unsicherheit, Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen sowie eingeschränkte Hilfen zur gesundheitlichen und sozialen Versorgung.
Der Welthurentag erinnert daran, dass Sexarbeitende Teil der Gesellschaft sind und Anspruch auf Schutz, Würde, gesundheitliche Versorgung und soziale Teilhabe haben. Notwendig sind deshalb verlässliche und langfristig abgesicherte Unterstützungsstrukturen, ausreichend finanzierte Beratungsangebote sowie eine stärkere gesellschaftliche Sensibilisierung gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung. Insbesondere die aufsuchende Sozialarbeit sowie die enge Vernetzung der beteiligten Einrichtungen bleiben unverzichtbare Bestandteile, um Menschen in der Sexarbeit wirksam zu erreichen, Unterstützung anzubieten und Schutz zu gewährleisten.