Die Ursprünge der Chemnitzer Hütte und die Arbeit im Alpenverein

Fragen an die Sophie Waltschew, Axel Hunger und Max Ullrich von der Chemnitzer Sektion des Deutschen Alpenvereins.

Gruppenfoto vor dem Gipfelkreuz
Sophie Waltschew (hinten, 2. von rechts), Max Ullrich (hinten rechts) und Axel Hunger (vorn links) bei der Tour auf den 2.703 Meter hohen Schaflahnernock


Warum gibt es eine Chemnitzer Sektion des Deutschen Alpenvereines – am Rande des Erzgebirges?

Nachdem sich Mitte des 19. Jahrhunderts der deutsche und österreichische Alpenverein gründeten, entstanden unter diesem Dachverband deutschlandweit mehr und mehr Sektionen. In Chemnitz beheimatete Mitglieder der Sektionen Erzgebirge-Vogtland und Dresden hatten den Wunsch einer eigenen Sektion. So gründete sich mit Wirkung vom 
1. Januar 1882 die Sektion Chemnitz mit Prof. Theodor Kellerbauer als Vorstandsvorsitzender. Chemnitz wollte, wie die anderen Sektionen auch, einen großen Anteil an der Erschließung des Alpenraumes haben. So wurden neue Touren erschlossen, Wege angelegt und der Bau von Hütten finanziert. 

Die Chemnitzer Sektion organisierte den Bau der Hütte am Südtiroler Nevesjoch, die ursprüngliche Schutzbehausung hatten die Einheimischen abgeben müssen. Am 29. Juli 1895 wurde sie eingeweiht. Mit einer eigenen Hütte erhielt die Sektion eine sichere Unterkunft und war von dort aus für längere Touren im Alpenraum gewappnet. Einher ging der Wegebau, viele Routen und Touren, die wir heute noch gehen, sind auf diese Zeit zurückzuführen. Darunter ist auch der Kellerbauerweg in Südtirol, der nach dem Wegbereiter und Vorsitzenden der Chemnitzer Sektion benannt ist.

Axel: Und das nicht nur in den Alpen, auch im Erzgebirge gehen heute viele Kletterrouten und Wanderwege auf diese Zeit zurück. Die Erschließung des Erzgebirges war „das Üben“ für die großen Berge. Die typisch sächsische Kletterkultur mit dem Erschließen der Routen nur von unten mit wenigen Ringe und freiem Klettern wurde hauptsächlich in der Sächsischen Schweiz entwickelt. Aber auch die klettersportliche Erschließung des Erzgebirges mit Greifensteinen, Teufelsstein und Schwarzwassertal erfolgte im sächsischen Stil. Daneben wurde auch in Steinbrüchen z.B. dem Zeisigwald geklettert. In erster Linie war es die sportliche Aktivität, die die Chemnitzer Sektion vorantrieb. Anfangs war der Alpinismus im Bürgertum zu finden. Man hatte die Zeit, man hatte das Geld sich körperlich zu betätigen. Und während der Industrialisierung sehnte man sich nach Natur und Freiheit. 


Die Chemnitzer Sektion gibt es seit 1990 wieder. Was sind heute die Inhalte?

Axel: Wir haben derzeit knapp 3.400 Mitglieder – aus Chemnitz und dem Erzgebirge – in den beiden Sparten Klettern und Wandern. Ohne eigene Hütte beteiligen wir uns am Betrieb der Bielatalhütte des Sächsischen Bergsteigerbundes. Beim Klettern fokussieren wir uns auf die Jungendarbeit und können uns über einige sportliche Erfolge freuen, so hat Lucia Dörffel im vergangenen Jahr an den Olympischen Spielen in Paris teilgenommen. Beim Wandern trifft man eher die älteren Mitglieder, unser Ziel ist aber auch hier wieder jüngere Menschen zur begeistern. So bilden wir auch Tourenführer aus, vom Hüttenwandern über Höhentouren bis zum Klettern: Jugendleiter, Wanderleiter und Trainer für alle Arten der bergsportlichen Betätigung aus (z.B. Sportklettern, Hochtouren, Skibergsteigen, Alpinklettern Klettersteiggehen usw.).


Wie kann man Mitglied beim Alpenverein werden?

Max: Am einfachsten online über unsere Homepage oder man kommt bei uns in der Geschäftsstelle vorbei. Aber grundsätzlich kann jede und jeder Mitglieder werden, es gibt keine speziellen sportlichen Anforderungen. Mitglieder haben Vergünstigungen bei der Übernachtung auf den Hütten. Oder man kann in unseren Gruppen an Trainings teilnehmen, unsere Bibliothek nutzen und ist über eine Rettungs- und Bergungskostenversicherungen unterwegs abgesichert. 

Unsere Gruppe „Freundeskreis Alte Chemnitzer Hütte“, bietet die Möglichkeit sich unverbindlich für den Newsletter einzutragen, ohne eine Mitgliedschaft abzuschließen. So erfährt man aus vielen Bereichen Interessantes zur Chemnitzer Hütte, kann eigene Erfahrungsberichte teilen oder an persönlichen Treffen teilnehmen. Unsere Inhalte veröffentlichen wir zur weiteren Verbreitung und Bekanntmachung des Vereines auch in den sozialen Medien. 


Wie versucht ihr die Jüngeren zu gewinnen?

Axel: Beim Klettern sind viele in den Jugendgruppen aktiv. In Schnuppertrainings kann man sich hier ausprobieren, auch über Fahrten versuchen wir jüngere zu gewinnen. 

Sophie: In den Bergen treffen wir durchaus viele jüngere Bergsportler, leider ist das Interesse an der Vereinsarbeit und die Bereitschaft, Verantwortung für eine Wandergruppe zu übernehmen, aber heute oft gering.

Max: Und Sophie und ich konzentrieren uns auf unseren Freundeskreis zur Chemnitzer Hütte. Wir wollen sie bekannt machen, das Geschichtliche erhalten und den Kontakt zu dem Grubers, den Hüttenwirten, zu pflegen. Die ältere Generation macht das ja schon seit vielen Jahren. Unsere diesjährige Hüttentour über den Alpenhauptkamm wollen wir nutzen, um die Jugendgruppen miteinander bekannt zu machen – und die Südtiroler ins Erzgebirge oder in die Sächsische Schweiz einzuladen. 


Wie sieht der Austausch den Hüttenwirten aus und was plant ihr zum 130. Geburtstag?

Axel: Der erste Besuch nach der Wende war bereits im Sommer 1990. Die Verbindung zur alten Chemnitzer Hütte ist sehr herzlich. Einige unserer Vereinsmitglieder sind in regelmäßigem Kontakt mit Familie Gruber, sind mit den Hirtenwirten befreundet. Man besucht sich regelmäßig, meist fährt die Chemnitzer Sektion nach Südtirol.