Hunderte Chemnitzerinnen und Chemnitzer haben am heutigen 5. März bei zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen an die Bombardierung und Zerstörung von Chemnitz am 5. März 1945 erinnert.
Die abendliche Hauptveranstaltung auf dem Neumarkt stand unter dem Titel „Friedenstüchtig bleiben“, organisiert von der AG Chemnitzer Friedenstag. Gedanken zum Frieden äußerten Oberbürgermeister Sven Schulze, Christoph Magirius, Ehrenbürger und langjähriges Mitglied der AG Chemnitzer Friedenstag, Michael Veihelmann, theologischer Geschäftsführer der Zeisigwaldkliniken Bethanien und Träger des Chemnitzer Friedenspreises 2008 für die unentgeltliche medizinische Behandlung von Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten, sowie Dr. Christoph Dittrich, Intendant der Städtischen Theater Chemnitz, die den Friedenstag von Anfang an unterstützen.
Die künstlerische Ausgestaltung übernahmen Solisten:innen vom Ballett Chemnitz unter der Leitung von Ballettdirektorin Sabrina Sadowska.
Oberbürgermeister Sven Schulze: „Der Blick in die Welt zeigt uns: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, Frieden ist zerbrechlich. Gerade deshalb ist das diesjährige Motto unseres Chemnitzer Friedenstages so treffend: Friedenstüchtig bleiben.
Friedenstüchtig bedeutet nicht Naivität. Es bedeutet Haltung. Es bedeutet, entschieden für Toleranz, Demokratie, Dialog und Menschlichkeit einzutreten. Es bedeutet, sich jeder Form von Hass, Rassismus und Gewalt klar und eindeutig entgegenzustellen. Friedenstüchtig bleiben heißt auch: die Erinnerung weitergeben. Im Gespräch zu bleiben: in den Familien, in den Schulen, in den Vereinen, in unserer Stadtgesellschaft. Damit unsere Kinder und Enkel in einer Welt leben können, in der Konflikte nicht mit Bomben, sondern mit Worten gelöst werden. Friedlich.“
Der Tag begann am Vormittag mit der traditionellen Gedenkveranstaltung auf dem Städtischen Friedhof. Am Mahnmal für die Opfer der Bombardierung der Stadt Chemnitz wurden Kränze niedergelegt. Oberbürgermeister Sven Schulze, Landtagspräsident Alexander Dierks sowie Schüler:innen von weiterführenden Chemnitzer Schulen erinnerten an die Bombennacht am 5 März 1945 in Chemnitz.
Oberbürgermeister Sven Schulze: „Erinnern heißt nicht nur zurückzuschauen. Erinnern heißt auch, Verantwortung für die Gegenwart und für die Zukunft zu übernehmen. Wir, die heute Lebenden, tragen keine persönliche Schuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus und an dem von Deutschland ausgegangenen Vernichtungskrieg. Aber wir tragen die Verantwortung, dass diese Geschichte nicht vergessen wird. Und dass sie sich nicht wiederholt. Wir tragen die Verantwortung, die Ursachen zu benennen: Menschenverachtung, Rassismus, Antisemitismus, das Sich-Überhöhen über andere, Nationalismus und der Wille zur Gewalt. Und wir tragen die Verantwortung, dass das Gedenken an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges nicht missbraucht, nicht relativiert, nicht instrumentalisiert, nicht gegen andere ausgespielt wird.“
Seit dem Vormittag konnten Chemnitzerinnen und Chemnitzer am Friedenskreuz auf dem Neumarkt Friedenswünsche formulieren. Der Neumarkt war über den gesamten Tag der zentrale Ort des Friedenstages mit zahlreichen Aktionsständen rund um das Thema F-R-I-E-D-E-N.
Neben den Friedensbannern des Jugendkunstprojekts Aktion C, die das Rathaus und den Neumarkt zieren, konnten die Teilnehmenden Informations- und Dialogangebote zivilgesellschaftlicher Initiativen, Lesungen, Musikbeiträge und Interviews, Mitmachaktionen für Kinder und Familien sowie Ausstellungen zu Demokratie, Vielfalt und Erinnerungskultur wahrnehmen. Zudem blickte die Arbeitsgruppe Chemnitzer Friedenstag mit einer eigenen Ausstellung auf ein Vierteljahrhundert intensive ehrenamtliche Arbeit zurück.
Im Ausstellungsraum im Rathaus wurde am Mittag die Ausstellung „#DieUNundWIR“ der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e. V. eröffnet. Diese informiert über die wichtigsten Arbeitsfelder der UN: Friedenssicherung, Menschenrechte, Umwelt und Entwicklung. Mit multimedialen und interaktiven Elementen werden die Arbeitsweise und der Aufbau der Vereinten Nationen erklärt. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 10. April 2026 jeweils montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr sowie freitags von 8 bis16 Uhr.
Auch in diesem Jahr vermittelten Zeitzeugenfilme persönliche Erinnerungen an Krieg und Zerstörung und machen Geschichte besonders für jüngere Generationen erfahrbar. Die Filmreihe, die ab 12 Uhr im Stadtverordnetensaal im Rathaus gezeigt wurde, eröffnet individuelle Perspektiven auf die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und deren Bedeutung für die Gegenwart.
An den Friedenswegen durch die Stadt Chemnitz beteiligten sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Chemnitzer:innen. Von verschiedenen Orten im Stadtgebiet aus haben sich Gruppen auf den Weg zum Neumarkt begeben. Die Wege von zehn verschiedenen Ausgangspunkten, darunter Kirchen, soziale Einrichtungen und Begegnungsorte, mündeten in die Hauptveranstaltung auf dem Neumarkt. Unter anderem trafen sich Vertreter:innen der Stadt Chemnitz, die Buntmacher*innen sowie weitere Teilnehmende mit der Zeitzeugin Brigitte Glänzel an der Stele Turnstraße 39 und erinnerten an die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg, bevor sie den Friedensweg bis zum Neumarkt gemeinsam zurücklegten.
Nach der Hauptveranstaltung auf dem Neumarkt besuchen viele Teilnehmende den Ökumenischen Friedensgottesdienst (Beginn 20 Uhr) unter dem Titel „Wiederherstellung der Gerechtigkeit“ in der Stadtkirche St. Jakobi. Zu Gast ist Pfarrerin Anne Straßberger, Seelsorgerin in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz. Während des Gottesdienstes wird das Nagelkreuz auf Wanderschaft geschickt: Es wird in den Wochen nach dem Friedenstag in der JVA Chemnitz und in der Christuskirchgemeinde zu Besuch sein.
Der Chemnitzer Friedenstag 2026 endet mit einem gemeinsamen Moment des Innehaltens am Friedenskreuz auf dem Neumarkt sowie mit dem traditionellen Gedenkgeläut aller Chemnitzer Kirchen um 21 Uhr.
Der Chemnitzer Friedenstag ist eine Kooperation der AG Chemnitzer Friedenstag und der Stadt Chemnitz.
Eindrücke unter www.chemnitz.de/friedenstag und www.chemnitzer-friedenstag.de.