Rede zum Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters am 13. Januar 2026
Liebe Chemnitzerinnen und Chemnitzer,
liebe Gäste,
ich wünsche Ihnen allen ein gesundes, friedliches und zuversichtliches neues Jahr.
Diese ersten Tage im Jahr schenken uns Zeit, um für einen Moment innezuhalten. Um zurückzublicken auf das, was hinter uns liegt – und nach vorn auf das, was wir gestalten wollen. Für Chemnitz nehmen wir viel aus dem vergangenen Jahr mit, und stehen zugleich vor wichtigen Entscheidungen für die Zukunft unserer Stadt.
2025 war mehr als ein Kalenderjahr. Es war ein einziger großer, gemeinsamer Moment. Einer, der gezeigt hat, wie viel Mut, Kreativität und Zusammenhalt in dieser Stadt und in der Region stecken – wenn wir uns nur trauen, ihn sichtbar zu machen.
Die Kulturhauptstadt war mehr als ein Titel – sie war ein gemeinsames Erlebnis, ein Aufbruch, den man überall spüren konnte: auf unseren Plätzen, in den Quartieren, auf den Bühnen, aber vor allem in den Köpfen und Herzen der Menschen.
Chemnitz ist aufgeblüht. Das Museum für Karl Schmidt-Rottluff wurde eröffnet, der GaragenCampus entwickelte sich zu einem neuen Ort der Kreativität und Begegnung, und der Purple Path verband Stadt und Region durch zeitgenössische Kunst. Viele weitere Beispiele ließen sich hier nennen.
Theater, Musik, Stadtteilfeste, Sport- und Kulturveranstaltungen haben eine Seite von Chemnitz gezeigt, die viele so nicht erwartet hätten – offen, lebendig, selbstbewusst. Wer in diesem Jahr hier war, hat gemerkt: Dieses Chemnitz hat wenig mit dem Bild zu tun, das lange Zeit von Vorurteilen und Hörensagen geprägt war. Es ist eine Stadt, die man erleben muss, um sie zu verstehen. Und genau dieses Erleben hat 2025 möglich gemacht.
Menschen aus ganz Europa sind gekommen – und sie haben nicht nur Veranstaltungen besucht, sondern eine Haltung kennengelernt. Denn die Kulturhauptstadt war nie als kurzes Feuerwerk gedacht. Sie war ein Impuls für nachhaltige Veränderungen.
Besonders beeindruckend war das Engagement der Chemnitzerinnen und Chemnitzer selbst. 1.300 Freiwillige haben dieses Jahr überhaupt erst möglich gemacht – viele von ihnen mit dem Wunsch, auch künftig Teil des Ganzen zu bleiben. Dieses Miteinander, dieses Selbstverständnis, dieses „Wir gestalten unsere Stadt selber und warten nicht darauf, dass uns jemand sagt, was wir machen sollen“ – das ist vielleicht das wertvollste Vermächtnis von 2025.
Und genau deshalb stellt sich jetzt nicht nur die Frage: Was war?
Sondern vor allem: Was machen wir daraus?
2026 wird ein Brückenjahr. Ein Jahr, das das Erreichte sichert und den Blick nach vorn richtet. Viele erfolgreiche Formate werden fortgeführt, bekannte Orte bleiben lebendig. Hinzu kommen Internationale Höhepunkte wie das Festival Theater der Welt. Zugleich arbeiten wir gemeinsam mit der Kulturregion und dem Freistaat an einem Legacy-Plan für die Jahre 2027 bis 2031 – als Orientierung dafür, wie wir Kultur, Stadtentwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig weiterentwickeln.
Dabei geht es um Strukturen. Um Räume. Und um die Frage, wie wir Kreativität, Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit dauerhaft ermöglichen – als Teil unserer Stadtidentität.
Jetzt ist die Zeit, mitzuwirken – und nicht abzuwarten. Jetzt entscheidet sich, ob wir das Momentum nutzen oder verstreichen lassen.
Das Kulturhauptstadtjahr hat gezeigt, was möglich ist, wenn Stadtgesellschaft und Wirtschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen. Viele Unternehmen waren von Anfang an Teil dieser Bewegung. Sie haben investiert – in Vertrauen und mit Ideen. Sie haben gezeigt, dass Kultur und wirtschaftliche Stärke keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig beflügeln.
Dieses Engagement hat Wirkung entfaltet: für das Image unserer Stadt, für ihre Attraktivität als Standort, für die Bindung von Fachkräften. Dafür danke ich Ihnen, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer, ausdrücklich.
Bleiben Sie Teil dieser Entwicklung. Bringen Sie sich weiter ein. Lassen Sie uns gemeinsam diese neuen Wege gehen.
Ein möglicher nächster Schritt könnte eine Legacy-Stiftung sein – als gemeinsames Fundament von Stadt, Wirtschaft und Gesellschaft. Eine Stiftung, die Projekte ermöglicht, Ideen entwickelt und dafür sorgt, dass das, was 2025 begann, auch Wirkung entfaltet.
Denn eines ist klar: Wir haben Ideen. Wir haben Projekte.
Was wir brauchen, sind Menschen und Partner, die sie möglich machen.
[Anrede],
wir müssen offen darüber sprechen: Die Finanzlage der Kommunen, auch in Chemnitz, ist sehr angespannt. Große, völlig neue Bauvorhaben aus eigener Kraft werden daher in den kommenden Jahren die Ausnahme sein. Die finanziellen Spielräume sind begrenzt. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Prioritäten klar setzen.
Werterhalt, Instandsetzung und kluge Weiterentwicklung im Bestand stehen jetzt an oberster Stelle – gerade bei Schulen, Kitas und öffentlichen Einrichtungen.
Bedeutet eine angespannte Haushaltslage, dass Stadtentwicklung keine Rolle mehr spielt? Nein. Sie stellt uns vielmehr vor den Spagat, mit begrenzten eigenen Mitteln den größtmöglichen Nutzen für unsere Stadt zu erzielen.
Ein gutes Beispiel dafür ist der weitere Ausbau des Chemnitzer Modells. Hier packen wir richtig an. Mit der nun genehmigten nächsten Ausbaustufe schließen wir den Straßenbahnring um die Innenstadt und verlängern die Strecke perspektivisch bis nach Limbach-Oberfrohna. Damit hebt Chemnitz nicht nur seine Mobilitätsangebote auf eine neue Stufe: Entlang der Trassen werden Straßen, Wege und öffentliche Räume grundlegend erneuert – mit positiven Effekten für ganze Quartiere.
Ähnlich verhält es sich beim weiteren Ausbau des Premiumradwegs zwischen der Riedstraße und Grüna.
Unser Ansatz ist klar:
Wir bauen nicht größer, sondern klüger.
Ein wichtiges Instrument dabei sind die Infrastrukturmittel des Bundes, die in den kommenden Jahren an die Kommunen fließen. Für Chemnitz bedeutet das konkret: Über einen Zeitraum von zwölf Jahren stehen unserer Stadt jährlich rund 8,8 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere rund fünf Millionen Euro gibt es über Förderprogramme für Straßen, Brücken, Schulbau.
Das klingt zunächst nach viel Geld – und ist eine wichtige Unterstützung. Gleichzeitig dürfen wir uns nichts vormachen: Angesichts des Sanierungsstaus in Straßen, Brücken, Schulen und öffentlichen Einrichtungen ist dieses Geld kein Luxus, sondern dringend notwendig.
Und ehrlich gesagt: zu wenig, um all die Bedarfe zu befriedigen.
Gerade deshalb müssen diese Mittel klug, strategisch und nachhaltig eingesetzt werden. Der Stadtrat wird im ersten Halbjahr darüber entscheiden, wofür die Gelder in den ersten vier Jahren verwendet werden. Diese Entscheidungen werden prägend sein. Es geht um Projekte, die Strukturen stärken und den größtmöglichen Mehrwert für unsere Stadtgesellschaft schaffen sollen.
Und damit kommen wir zu einem Thema, das uns in diesem Jahr intensiv beschäftigen wird: den Haushaltsberatungen für die Jahre 2027 und 2028. Diese Diskussionen beginnen mit der Frage, was wir uns als Stadt leisten können und was wir uns leisten wollen.
Mir ist dabei eines besonders wichtig: Ehrlichkeit. Wir müssen offen darüber sprechen, welche Spielräume wir haben – und welche nicht. Keine falschen Versprechungen. Kein Aufschieben notwendiger Entscheidungen. Dazu gehören auch Entscheidungen, die schmerzen werden. Doch auch das ist verantwortungsvolle Kommunalpolitik.
Genauso wichtig ist mir aber die Art und Weise, wie wir diese Debatten führen. Unterschiedliche Positionen sind legitim. Kontroverse gehört zur Demokratie. Doch sie muss respektvoll bleiben – im Stadtrat, in der Verwaltung und in der Öffentlichkeit. Denn am Ende tragen wir alle gemeinsam Verantwortung für diese Stadt. Diese lebt von einem fairen und sachlichen Umgang miteinander.
[Anrede],
ein weiteres zentrales Thema ist die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt und der Region. Viele Unternehmen spüren Gegenwind – durch globale Unsicherheiten, Strukturwandel, Fachkräftemangel, einbrechende Konjunktur, hohe Kostenbelastungen und Bürokratie. Als Kommune sind unsere direkten Handlungsspielräume begrenzt. Aber wir können Rahmen setzen und Netzwerke stärken. Genau darum geht es beispielsweise beim Masterplan für Chemnitz und die Region Südwestsachsen: Er ist kein Projekt für Einzelne, sondern ein Gemeinschaftsvorhaben von Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Ziel ist eine langfristige, nachhaltige Ausrichtung unserer Wirtschaftsregion. Eine Hilfestellung, ein Impuls. Kein Allheilmittel! Dafür sind die geplanten 100 Millionen, die aktuell für den Masterplan zur Verfügung stehen, auch zu wenig.
Bei all den Aufgaben und Debatten gibt es in diesem Jahr dennoch vieles, worauf ich mich ganz persönlich freue:
- Im ehemaligen Kauhof-Gebäude zieht Ende des Jahres wieder Leben ein.
- Ich freue mich auf die ersten modernen Akku-Triebzüge auf der RE-6-Strecke.
- Ich freue mich auf die Eröffnung der neuen Praxiswelt unserer Poliklinik im Stadtzentrum, die die medizinische Versorgung auf ein neues Level heben wird.
- Und ich freue mich auf einen kulturellen Höhepunkt: „Theater der Welt“ vom 18. Juni bis 5. Juli 2026. Ganz in der Tradition des Kulturhauptstadtjahres wird Chemnitz erneut international sichtbar – als Gastgeber von Deutschlands größtem internationalen Theaterfestival, mit Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt und Produktionen, die unsere Stadt drei Wochen lang zur Bühne der Welt machen.
[Anrede],
den Titel Kulturhauptstadt Europas tragen wir hoffentlich noch lange in unseren Herzen. Und bis heute auch in unserem Logo, das die Außendarstellung unserer Stadt prägt. Hier war eine Veränderung nötig.
Deshalb setzt die Stadt Chemnitz ihre Wort-Bild-Marke ab heute in überarbeiteter Form ein – nicht als Neustart, sondern als behutsame Weiterentwicklung. Der bisherige Claim „Kulturhauptstadt Europas 2025“ entfällt. Künftig treten wir bewusst ohne Slogan auf: selbstbewusst, klar und reduziert. Chemnitz steht für sich.
Gestaltung, Formensprache und Wiedererkennbarkeit bleiben erhalten. Die Anpassungen beschränken sich auf das Notwendige, um die Marke zeitlos, langfristig und international nutzbar zu machen.
Auch mit Blick auf die Kosten handeln wir verantwortungsvoll. Und bevor Sie fragen: Die Überarbeitung hat 7.000 Euro gekostet und wird schrittweise eingeführt. Bestehende Materialien werden im Rahmen regulärer Erneuerungen angepasst.
[Anrede],
in diesem Jahr wollen wir wieder den Blick auf die Menschen richten, ohne die vieles nicht möglich wäre. Auch in diesem Jahr verleiht die Stadt Chemnitz den Ehrentaler – als Zeichen unseres Dankes und unserer Anerkennung. Er geht an Menschen, die sich mit Energie und Leidenschaft für unsere Stadt und die Chemnitzerinnen und Chemnitzer einsetzen und damit weit mehr leisten, als man erwarten kann.
Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger stehen stellvertretend für viele andere, die Tag für Tag Verantwortung übernehmen – im Ehrenamt, in Initiativen, in Vereinen oder ganz leise im Hintergrund. Sie sind es, die Chemnitz zusammenhalten. Sie geben unserer Stadt Gesicht, Haltung und Wärme. Sie sind das Fundament einer starken Stadtgesellschaft.
Zwei Menschen, die den Chemnitzer Ehrentaler ebenfalls verdient hätten, sind die beiden Geschäftsführer der Kulturhauptstadt GmbH, Andrea Pier und Stefan Schmidtke. Sie haben Chemnitz 2025 entscheidend geprägt. Dank ihnen – und gemeinsam mit ihnen – hat unsere Stadt ein Jahr erlebt, das weit über einzelne Veranstaltungen hinausgewirkt hat. Mit Mut, Ausdauer und großer Leidenschaft haben Andrea Pier und Stefan Schmidtke eine neue Seite in der Geschichte von Chemnitz geschrieben.
Dieser Erfolg kam nicht von selbst. Er ist das Ergebnis vieler Gespräche, harter Arbeit und eines tiefen Glaubens an diese Stadt. Andrea Pier und Stefan Schmidtke haben Menschen zusammengebracht, Räume geöffnet und Vertrauen geschaffen – und dabei immer auch ihr großartiges Team hinter sich gehabt, das diesen Weg mitgegangen ist.
Das Kulturhauptstadtjahr 2025 wird untrennbar mit ihren Namen verbunden bleiben. Und es wird als ein Jahr in Erinnerung bleiben, das Chemnitz verändert hat. Dafür sagen wir heute Danke. Von Herzen.
Als sichtbares Zeichen unseres Dankes und unserer Anerkennung bitte ich Sie beide auf die Bühne, um sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.
Verabschiedung:
Vielen Dank, dass Sie heute meiner Einladung gefolgt sind. Lassen Sie uns gemeinsam diesen Abend abschließen: mit guten Gesprächen und noch besseren Begegnungen.
(Es gilt das gesprochene Wort)