Stolpersteine in Chemnitz

Sally Spiro, Nina Spiro und Michael Spiro

3 Stolpersteine für Familie Spiro. Auf den Steinen steht: Hier wohnte Sally Spiro, Jg. 1888, Flucht 1938, England, Neuseeland  |  Hier wohnte Nina Spiro, geb. Beck, Jg. 1898, Flucht 1938, England, Neuseeland  |  Hier wohnte Michael Spiro, Jg. 1929, Flucht 1938, England, Neuseeland

Sally Spiro
Geboren: 5. November 1888
Gestorben: 25. Dezember 1959

 

Nina Spiro, geb. Beck
Geboren:  31. August 1898
Gestorben: 1. Dezember 1955

 

Michael Spiro 
Geboren: 29. April 1929
Gestorben: 5. Oktober 2025

Verlegeort:

Stollberger Straße 38

 

 

Stolperstein-Verlegung am:

6. Mai 2026

 

Lebensweg

Der Kaufmann Sally Spiro gehörte zu den Personen aus dem Umfeld der Brüder Schocken. Er war der älteste Sohn von Georg Lewin Spiro aus zweiter Ehe. Wie die Brüder Schocken stammte er auch aus Margonin (Ostpreußen). 

Sally Spiro lebte bis April 1921 in Bremerhaven, wo sich seit 1903 auch ein Kaufhaus Schocken befand, das Joseph Schocken und Jakob Spiro, Sallys Onkel, eröffnet hatten. Wie lange Sally Spiro dort gelebt hatte, ist nicht überliefert. Am 7. Mai 1921 meldete er sich im Chemnitzer Rathaus an. Sally Spiro unterstützte die Brüder Schocken bei der Einrichtung einer Einkaufszentrale für den „Großhandel mit Erzeugnissen des Chemnitzer Industriebezirkes“. Außerdem kam ihm die Aufgabe zu, ein geeignetes Gebäude für die Aufnahme einer eigenen Strumpfproduktion zu finden. 

Im Juni 1925 schied Sally Spiro aus der im Juni 1920 gegründeten „Einkaufshaus Chemnitz GmbH“ aus. Der Grund dafür war die Gründung einer eigenen Strumpffabrik. Unter dem Namen „Brüder Spiro Strumpffabrik“ wurde die Firma am 29. August 1925 im Handelsregister Chemnitz eingetragen. Als Spezialität gaben die Firmengründer „Fantasie-Herrensocken“ an. Mit dem Slogan „Ausschließlich feine Buntmustersocken“ wurde in der Öffentlichkeit geworben. Nachdem er sich geschäftlich etabliert hatte, konnte er sich seinem privaten Glück zuwenden. 

Am 18. Oktober 1927 vermählte sich Sally Spiro mit der um zehn Jahre jüngeren Unternehmertochter Nina Beck. Die Eheleute hatten einen Sohn: Werner Adolf Michael erblickte in der Staatlichen Frauenklinik in Chemnitz das Licht der Welt. Nachdem die Eheleute längere Zeit im Marquardtschen Haus am Ende der Heinrich-Beck-Straße wohnten, zogen diese in das Haus Stollberger Straße 38. Michael wurde von einer Quäkerin unterrichtet. Dorothy England wohnte bei der Familie zur Untermiete. 

Sally Spiro war aber nicht nur Unternehmer, sondern auch Gemeindefunktionär. So gehörte er ab Anfang 1934 dem Kulturausschuss der Israelitischen Religionsgemeinde an. Zugleich war er Leiter der Baukommission der Saxonia-Loge. Am 29. August 1935 nahm er an der Gründung des Jüdischen Kulturbundes in Chemnitz teil. 

Die Errichtung der NS-Herrschaft bedeutete auch für Sally Spiro und seine Familie Entrechtung und Verfolgung. Infolgedessen sah er sich gezwungen, das Fabrikgrundstück Crusiusstraße 5 im Juli 1938 an den Bankier Albert Weyhausen in Bremen zu verkaufen. Damit verbunden war die Übertragung der Firma an diesen Kaufmann. Dessen Sohn übernahm die Leitung der Fabrik vor Ort. 

Die Familie entschied sich, nach Neuseeland auszuwandern. Am 19. Mai 1938 trat sie die beschwerliche Reise an. Über England gelangte sie am 17. September 1938 nach Kanada. Vier Wochen später ging die Reise weiter, um am 16. Oktober 1938 in Christchurch (Neuseeland) einzutreffen. Die Familie lebte daraufhin in der größten Stadt auf der Südinsel von Neuseeland.

Nina Spiro verstarb am 1. Dezember 1955 in Christchurch. Sally Spiro überlebte sie nur wenige Jahre. Er starb am 25. Dezember 1959 in der Stadt Nelson im Norden der Südinsel. 

Michael Spiro verlegte später seinen Wohnsitz nach London, wo er bis zu seinem Tode am 5. Oktober 2025 lebte. In einem Nachruf hob Arthur Fleiss, ein Enkelsohn des im April 1933 ermordeten Rechtsanwaltes Dr. Arthur Weiner, hervor, dass der Verstorbene große Verdienste auf dem Gebiet der Physikalischen Chemie an der Royal Society of Chemistry in London hatte. 

Autor: Dr. Jürgen Nitsche

Hier liegen die Stolpersteine von Sally, Nina und Michael Spiro:

Stolpersteine in Chemnitz

Es ist ein Projekt gegen das Vergessen: in Chemnitz werden seit 2007 jährlich Stolpersteine verlegt.

Eingelassen in den Bürgersteig, erinnern die Gedenksteine an tragische Schicksale von Mitbürgern, die während des nationalsozialistischen Regimes verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben wurden.

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