Stolpersteine in Chemnitz

Hans Ziegler

Hans Ziegler 
Geboren: 15. Juli 1912
Gestorben: 2. März 1938

Verlegeort:

Leipziger Straße 105

 

 

Stolperstein-Verlegung am:

5. November 2026

 

Lebensweg

Schwarzweißporträt eines jungen Mannes mit dunklem kurzem Haar. Er trägt einen gestrickten Pullunder, aus dem ein Hemdkragen herausschaut.
Nach Hans Ziegler ist eine Straße in Chemnitz benannt. Foto: Archiv des VVN-BdA Chemnitz

Hans Ziegler wurde am 15. Juli 1912 in Chemnitz geboren. Seine Eltern, Maria, Jahrgang 1891, geb. Hirschmann, war Mitglied der KPD, sein Vater Johann Baptist Ziegler, Jahrgang 1890, war Kernmacher, parteilos, unterstützte jedoch die politische Arbeit seiner Frau und der Söhne. 

Beide stammten aus Nürnberg, lebten ab 1910 in Chemnitz, hatten gemeinsam vier Kinder. Zwei ihrer Söhne schlossen sich der Arbeiter-Jugendbewegung an. Willy Ziegler war Mitglied der SAJ, verteilte noch 1933 illegale Flugschriften gegen die Nazis, wurde in Reitzenhain (Erzgebirge) festgenommen, zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt und in Bautzen inhaftiert. Während des Zweiten Weltkrieges in die Wehrmacht eingezogen, ist er in Polen gefallen.

Sein Bruder Hans Ziegler war ebenso zunächst Mitglied in der Sozialistischen Arbeiterjugend, dem Jugendverband der Sozialdemokratischen Partei, bevor er 1926 in den Kommunistischen Jugendverband übertrat. Dort war er in seinem Wohngebiet Schloßchemnitz aktiv. Den Beginn seiner aktiven politischen Arbeit stellte die Vorbereitung des
III. Reichsjugendtreffens des Verbandes dar, das zu Ostern 1928 in Chemnitz stattfand. Zum Schutz der politischen  Arbeit und öffentlicher Veranstaltungen gegen Schläger von SS und SA organisierte er sich in der Roten Jungfront. In seiner Heimatstadt sowie in Limbach beteiligte er sich an antinazistischen Aktionen. 1932 fuhr er mit den älteren Genossen des Roten Frontkämpferbundes zum Reichstreffen nach Erfurt. In die Vorbereitungen der Reichstagswahlen 1932 war er fest eingebunden und setzte sein Engagement auch nach dem 30. Januar 1933, dem Tag der Machtübertragung an die NSDAP, fort. 

Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 musste die Arbeit bereits teilweise geheim organisiert werden, um Stimmen der Bevölkerung für die Wahl am 5. März 1933 gewinnen zu können. Ende Mai 1933 verhaftet, wurde er am 3. Juni 1933 in das Konzentrationslager Sachsenburg eingewiesen. Dort erhielt er die Inhaftierten-Nummer 536. Am 27. Juni 1933 in das Polizeipräsidium Chemnitz zu Vernehmungen überführt, wurde er folgend zum zweiten Mal in das KZ an der Zschopau eingewiesen. Nach mehr als einem Jahr Haft entlassen, setzte er die Arbeit fort, verteilte Flugzettel und sammelte Geld für die Arbeit im Untergrund. Um einer drohenden erneuten Verhaftung zu entgehen, emigrierte er in die damalige Tschechoslowakei. Vom 5. bis 7. Juli 1934 dauerte die Flucht von Chemnitz über Olbernhau im Erzgebirge nach Komotau (tschechisch: Chomutov), die Industriestadt Nordböhmens. Von dort gelangte Hans Ziegler am 10. Juli 1934 nach Prag, wo sich die zentrale Anlaufstelle und das Hilfskomitee für deutsche Emigranten befanden. 

Der tschechische Literaturhistoriker Professor Dr. Frantisek Xaver Salda hatte das Komitee im Oktober 1933 gegründet, das Tausenden politischen Flüchtlingen dringende Unterstützung zukommen ließ. Sitz der Organisation war in Prag II und wurde kurz Salda-Komitee genannt. In der Emigration blieb Hans Ziegler nicht tatenlos. Er engagierte sich in der Flüchtlingshilfe und stellte sich als Kurier nach Deutschland zur Verfügung, einem riskanten Unterfangen unter Lebensgefahr. Untergebracht waren die deutschen Emigranten im Ort Mesice, nordöstlich von Prag, in einem leerstehenden Schloss. Durch organisierte Sportwettkämpfe, Kulturveranstaltungen und Erntehilfe gab es regen Austausch und Zuspruch durch die Bevölkerung. 

Nach dem Militärputsch in Spanien im Sommer 1936 setzte eine weltumspannende Solidaritätsaktion, unter anderem organisiert durch die Kommunistische Internationale, zur Verteidigung der Spanischen Republik ein. Ende 1937 meldete sich Hans Ziegler für die Internationalen Brigaden nach Spanien. Ab Februar 1938 war er bei den Kämpfen an der Nordfront eingesetzt. Erst im April 1946 erreichte die Eltern die Nachricht vom Tod ihres Sohnes Hans. Sie wohnten noch immer in der Wohnung in der Leipziger Straße 105 und hatten bis dato keine Gewissheit über sein Schicksal. Der aus der französischen Emigration zurückgekehrte Mitkämpfer aus dem Ernst-Thälmann-Bataillon der 11. Internationalen Brigade, Hermann Leipold, der gemeinsam mit ihm zu Weihnachten 1937 nach Spanien ging, informierte in einem Schreiben an die Kreisleitung der SED in Chemnitz über den letzten Einsatz von Hans Ziegler bei Belchite (Provinz Saragossa), am 2. März 1938 war er gefallen: “Lieber Genosse Ziegler, es tut mir leid, Dir die letzte Hoffnung zu rauben, aber es wäre ein Fehler, Dich weiter in einer Hoffnung zu halten, die niemals in Erfüllung geht...”

Autor: VVN-BdA Chemnitz

Stolpersteine in Chemnitz

Es ist ein Projekt gegen das Vergessen: in Chemnitz werden seit 2007 jährlich Stolpersteine verlegt.

Eingelassen in den Bürgersteig, erinnern die Gedenksteine an tragische Schicksale von Mitbürgern, die während des nationalsozialistischen Regimes verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben wurden.

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