Im Austausch mit Graz 2003

Welche langfristige Wirkung kann der Titel Europäische Kulturhauptstadt entfalten?
Chemnitz2025-Programmgeschäftsführer Stefan Schmidtke, Dr. Thorid Zierold, Referentin der Stadt Chemnitz, und Kulturbürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky (von links nach rechts) tauschten sich mit Landesrat Dr. Karlheinz Kornhäusl (rechts) aus. Foto: Jakob Grill

Mit dieser Fragestellung reisten am 7. Juli Dagmar Ruscheinsky, Bürgermeisterin für Soziales, Jugend, Gesundheit, Sport und Kultur, und Stefan Schmidtke, Geschäftsführer der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 GmbH, ins österreichische Graz, die Landeshauptstadt der Steiermark.

Im Austausch mit dem Landesrat Dr. Karlheinz Kornhäusl beim Besuch des Büros »City of Design«, beim Rundgang im Kunsthaus Graz und während eines Stadtrundgangs erfuhren Bürgermeisterin Ruscheinsky und Stefan Schmidtke, dass sich Graz mit dem Kulturhauptstadtprojekt enorm entwickelte.

Der Erfolg von Graz 2003 war insbesondere auch für die Wirtschaft messbar. In Verbindung mit einem konsequenten
Stadtmarketing, aktiver europäisch ausgerichteter Zusammenarbeit und der Bewerbung zum UNESCO-Titel »City of Design« konnte ein Zuwachs von fast 20 Prozent allein bei den Übernachtungen in Hotels erreicht werden. Ebenso ziehen Entwicklungen, die im Kulturhauptstadt-Prozess entstanden sind, wie das Kunsthaus, die Mur-Insel oder das Literaturhaus Graz weiterhin Touristinnen und Touristen an. Des Weiteren wurden zahlreiche bereits bestehende Festivals wie der »steirische herbst« oder das Filmfestival »Diagonale « weiterentwickelt. Der Titel »UNESCO City of Design« ist kein direkter Effekt des Grazer Kulturhauptstadtjahres, aber er baut auf dem nach 2003 gestärkten Profil als Kultur- und Kreativstadt auf.

Landesrat Dr. Karlheinz Kornhäusl vergleicht die Entwicklung seit dem Jahr 2003 mit einem ausgedehnten Kometenschweif – ein Effekt, der lange nachwirkt. Gleichfalls formulierte er, dass es jetzt an der Zeit sei, an den »Türen der Burgen und Schlösser zu rütteln«, Neues zu wagen und neue Entwicklungen zu fördern. 

Im Gespräch mit den Kollegen der Landeshauptstadt zeigte sich, dass das Volunteer-Programm von Chemnitz 2025
einzigartig war. Der Austausch zwischen Chemnitz und Graz wird hierzu vertieft werden. Im Gespräch mit der Abteilungsleiterin »City of Design«, Andrea Keimel, sowie der Referentin Karin Hoja-Talaber erörterten Bürgermeisterin Ruscheinsky und Stefan Schmidtke Anforderungen an die Entwicklung des Schwerpunktes Formgestaltung und Design, was in Chemnitz unter anderem durch Marianne Brandt, Henry van de Velde und Carl Clauss Dietel internationale Anerkennung fand. Die Empfehlungen beinhalteten, Kooperationen einzugehen und zu pflegen und das Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft, Design, Architektur und Tourismus bewusst als Kriterium der Stadtentwicklung einzusetzen.

Die Einladung nach Graz erging bereits im Mai 2025, als der Leiter der Abteilung Kultur, Europa, Sport im Land Steiermark, Patrick Schnabel, und die Leiterin des Referats Kulturelles Erbe und Volkskultur im Land Steiermark, Evelyn Kometter, Chemnitz 2025 besuchten. Während ihres Aufenthaltes in Chemnitz begeisterte sie einerseits das hochkarätige Ausstellungsprogramm und die Veranstaltungsbreite bis in die Region und andererseits die Kulturhauptstadtbegeisterung in der Bevölkerung, der Gastronomie und Hotellerie. Auch die aktive Auseinandersetzung mit dem Vermächtnis der Kulturhauptstadt, der Legacy, war für die Gäste beispielhaft.

Graz war im Jahr 2003 Europäische Kulturhauptstadt und verfolgte damals noch keinen formellen Legacy-Prozess,
der seit 2006 Teil der EU-Strategie für Kulturhauptstädte ist. Vielmehr bestand die Strategie daraus, dauerhaft Infrastrukturen zu schaffen, bestehende Kulturinstitutionen zu stärken und internationale Netzwerke weiterzuentwickeln.