Kulturbeirat
In einer Amtsblatt-Serie im Juli 2025 wurden alle Beiräte der Stadt Chemnitz vorgestellt.
In der Ausgabe 29/2025 vom 17. Juli stellen der Vorsitzende Tobias Möller und die stellvertretende Vorsitzende Heda Bayer die Arbeit des Kulturbeirates vor und erzählen im Interview, welche Probleme sie aktuell umtreiben.
Um welche Angelegenheiten kümmert sich der Kulturbeirat?
Tobias Möller: In erster Linie sind wir natürlich dazu da, Verwaltung und Politik zu Themen der Kultur zu beraten. Diese Themen werden bei uns im Beirat sehr oft vorberaten. Wir spiegeln die Vorschläge der Verwaltung zu Beschlüssen noch einmal, verändern sie, um möglichst den Stadträten im Kulturausschuss oder im Stadtrat eine breite Palette von Entscheidungsmöglichkeiten zu geben. Aber wir stellen gleichzeitig auch vor, was aus den Entscheidungen eines Beschlusses folgen würde. Das ist unsere formale Hauptaufgabe.
Heda Bayer: Da viele Kulturbeiräte aus der Praxis kommen, haben wir im Kulturbeirat einen ziemlich genauen Überblick wie sich verschiedene Entscheidungen auf die Kulturelle Arbeit auswirken.
Welche Aufgaben hat der Beirat?
Tobias Möller: Ganz, ganz viele. Wir sehen uns als Brücke zwischen Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und natürlich allen kulturellen Vereinen. Jeder Verein hat unterschiedliche Bedarfe. Man kann nicht sagen “die Kultur braucht das”, solange es nur einen einzelnen Verein betrifft. Es gibt schon Sachen, wo man sagen kann “das braucht die Landschaft” und das ist auch Teil unserer Expertise – zwischen individuellen Bedürfnissen und tatsächlichen, gesellschaftlichen Bedürfnissen auszutarieren, aber trotzdem dafür zu sorgen, dass im Idealfall jeder gehört wird.
Heda Bayer: Und ich würde sagen, auch Alarm zu schlagen, wo wir sehen: “Hier könnte etwas richtig schiefgehen oder verloren gehen.”
Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich aktuell?
Tobias Möller: Das ist ein buntes Potpourri. Auf der einen Seite haben wir gerade Kulturhauptstadt, wofür es natürlich auch das eine oder andere im laufenden Betrieb zu besprechen gilt. Aber das ist ein Thema, was uns in den letzten fünf Jahren sehr beschäftigt hat. Der Kulturbeirat hat erheblich dazu beigetragen, dass wir den Titel bekommen haben; hat ganz viele Dinge, die die Verflechtung in die Bürgerschaft hinein gut unterstützt haben, mit einbringen können.
Jetzt gerade beschäftigen uns natürlich massiv die Kürzungen, die in unserem Bereich überproportional zugeschlagen haben. Das ist eine ganz andere Herausforderung, mit den Vereinen zusammen zu schauen und – wie es meine Kollegin gerade schon gesagt hat – Alarm zu schlagen, dass wir im Augenblick vor einem massiven Substanzabbau stehen. Wir müssen möglichst gute Ideen und Lösungen für die Zukunft finden.
Heda Bayer: Und auch kreative Lösungen dafür suchen, dass die Vielfalt erhalten bleibt. Sonst geht uns die Jugend wirklich verloren. Sie haben schon viel mitgemacht in der Corona-Pandemie und es darf nicht passieren, dass noch mehr Abbau passiert.
Tobias Möller: Wir sehen unsere Aufgabe im Kulturbeirat auch als Querschnittsaufgabe. Dass wir uns nicht nur um die Jungen, nicht nur um die Alten oder nur um die Mittelalten kümmern, sondern dass wir alle Generationen im Blick haben.
Natürlich leben gerade wir beide auch den breiten Kulturbegriff, der sich nicht abgrenzt mit: “Das ist eine Bühne und alles andere, das nicht auf der Bühne stattfindet, ist keine Kultur”. Das wäre ja Quatsch. Und zu schauen, wie man die unterschiedlichen Spielarten zusammenbringen kann und wie wir vor allem die Gesellschaft wieder zueinander bringen, sie zu Kommunikation zu befähigen, Anreize zu bieten.
Kultur zeigt, dass Sachen anders sein können, dass man Dinge anders sehen kann, dass ganz vieles auf dieser Erde nicht so fest gefügt ist, wie uns das im Guten und im Schlechten manchmal erscheint, sondern dass ganz viel Potenzial für Visionen möglich ist. Und eine Vision ist ja nicht dafür da, um sie zu erreichen, sondern in Bewegung zu bleiben. Das ist Kultur für uns: In Bewegung bleiben.
Heda Bayer: Aktuell gibt es eine einmalige Chance, zu schauen, dass wir schon die Inventarisierung der Kulturhauptstadtprojekte anfangen – von den kleinsten Dingen, die gut gelungen sind, bis zu den Großprojekten, denn schon jetzt können wir sehen, was diese ganze Mühe gebracht hat.
Wie kann man sich beteiligen und die Arbeit des Kulturbeirats unterstützen?
Tobias Möller: Wir sind im öffentlichen Leben sehr oft unterwegs und man kann uns einfach ansprechen oder auch immer eine E-Mail schreiben.
Wir bereiten gerade eine Sprechstunde des Kulturbeirates vor. Sehr lange hatten wir ein anderes Format, den Jour fixe Kultur, den wollen wir auch wieder aufleben lassen. Gerade reicht aber die Zeit nicht, auch wegen der Kulturhauptstadt.
Heda Bayer: Es hilft uns auch mächtig, wenn zu den öffentlichen Sitzungen Leute aus der Stadt auftauchen, Fragen stellen oder einfach dabei sind. Das ist eine große Unterstützung.
Tobias Möller: Das würde ich noch einmal unterstreichen. Man kann die Sitzung des Kulturbeirates gerne besuchen. Sehr oft – gerade wenn es nur einen öffentlichen Teil gibt – stehen wir danach gerne Rede und Antwort, gehen in den Dialog. Das ist eine der einfachsten Möglichkeiten, mitzuwirken.
Der Kulturbeirat
Der Beirat besteht aus 15 Mitgliedern sowie ihren Stellvertreter:innen. Er setzt sich aus Mitgliedern der verschiedenen Stadtratsfraktionen sowie sachkundigen Einwohnerinnen und Einwohnern zusammen. Diese kennen sich mit den verschiedenen Sparten der Kultur aus. Das sind zum Beispiel Bibliothek und Literatur, Musik, Museen, Theater und Darstellende Kunst, Soziokultur und viele weitere.
Zu erreichen ist der Kulturbeirat per E-Mail an kulturbeirat(at)stadt-chemnitz.de.