Stolpersteine in Chemnitz
Alfred und Edith Ascher
Alfred Ascher
Geboren: 21. Januar 1910
Gestorben: 14. September 1983
Edith Ascher, geb. Werner
Geboren: 2. Januar 1914
Gestorben: 28. Januar 2007
Verlegeort:
Zwickauer Straße 36
Stolperstein-Verlegung am:
6. Mai 2026
Fotos der Stolpersteinverlegung
Lebensweg
Der Kaufmann Alfred Ascher gehörte zu den zahlreichen jüdischen Schuhhändlern in Chemnitz. Seine Schuhhandlung „Der elegante Schuh“ befand sich am Markt 14/15.
Was ist über den Mann bekannt, der in Berlin als Sohn von Hermann Ascher und Klara Schachmann geboren wurde? Seine Eltern verlegten drei Monate nach Alfreds Geburt ihren Wohnsitz nach Chemnitz. Zusammen mit Tochter Gertrud lebten sie in der Innenstadt.
Hermann Ascher wurde Mitinhaber der Chemnitzer Niederlassung der Kommanditgesellschaft Max Tack in Straußberg. Nach dem Ausscheiden der Eigentümerfamilie Tack im Jahr 1920 übernahm Hermann Ascher das Schuhgeschäft. Die Eheleute Ascher lebten fortan in dem Haus Zwickauer Straße 36.
Alfred besuchte die I. Höhere Volksschule in Chemnitz, bevor er zu Ostern 1920 an das Realgymnasium wechselte. Zu Ostern 1924 verließ er dieses, um im elterlichen Geschäft eine kaufmännische Lehre zu absolvieren. Nach dem Tode des Vaters im Juni 1926 wurde Klara Ascher, die Mutter, die Inhaberin des Geschäftes. Im Oktober 1929 verkaufte sie das Geschäft an den Berliner Kaufmann Samuel Abraham Michelsohn, mit dem sie am 9. Oktober 1928 eine weitere Ehe eingegangen war. Mitten in der Weltwirtschaftskrise sah sich der neue Inhaber gezwungen, das Schuhgeschäft in der Chemnitzer Königstraße 9 zu schließen.
Die Errichtung der NS-Herrschaft bedeutete auch für Alfred Ascher Entrechtung und Verfolgung. Am 1. April 1934 verlobte er sich mit Edith Werner aus dem damaligen Vorort Siegmar. Am 7. November 1935 fand die Trauung statt. Der Viehhändler Felix Werner, Ediths Vater, und der Kaufmann Siegfried Kantorowicz, Alfreds Schwager, waren die Trauzeugen. Alfred Ascher wurde während des Novemberpogroms 1938 verhaftet und in das KZ Buchenwald überführt. Am 15. Dezember 1938 wandten sich die Chemnitzer Behörden an den KZ-Kommandanten. Möglicherweise ging Alfred Ascher davon aus, es ging um seine baldige Entlassung. Doch die Amtshauptmannschaft ersuchte den Kommandanten, Aschers Kraftfahrzeugschein einzuziehen. Erst am 14. Januar 1939 wurde der „Aktionsjude“, wie die Männer von den NS-Behörden bezeichnet wurden, entlassen.
Die Eheleute erkannten, dass sie im NS-Staat keine Zukunft hatten. Daher planten sie, nach England zu emigrieren. Allerdings wanderten sie am 20. Januar 1940 in die USA aus. Zunächst übersiedelten sie nach Belgien. In Brüssel warteten sie auf die Einreisevisa in die USA. Glücklicherweise erhielten sie diese vier Monate vor dem Einmarsch der Wehrmacht in Belgien. In Antwerpen begaben sie sich an Bord des Passagierschiffes „Westernland“ und erreichten am 3. Februar 1940 New York. Im Zusammenhang mit der Überfahrt wurden die Eheleute am 3. Februar 1940 laut Bekanntmachung im Reichsanzeiger ausgebürgert.
Von dort begaben sich die Eheleute nach East Orange (New Jersey), wo ein Cousin lebte. Die Eheleute hatten mit Sonia Claire eine Tochter, die im Jahr 1942 geboren wurde. Später wohnten sie in Manchester, Hillsborough (New Hampshire). Ediths Eltern Felix und Bertha Werner wurden im Mai 1942 in das Ghetto Belzyce bei Lublin deportiert und dort ermordet.
Alfred Ascher starb infolge einer schweren Krankheit am 14. September 1983. Edith Ascher, die eine weitere Ehe einging, überlebte ihren Ehemann um mehr als 24 Jahre. Sie starb am 28. Januar 2007 in der Stadt Nashua (New Hampshire).
Autor: Dr. Jürgen Nitsche
Hier liegen die Stolpersteine von Alfred und Edith Ascher:
Stolpersteine in Chemnitz
Es ist ein Projekt gegen das Vergessen: in Chemnitz werden seit 2007 jährlich Stolpersteine verlegt.
Eingelassen in den Bürgersteig, erinnern die Gedenksteine an tragische Schicksale von Mitbürgern, die während des nationalsozialistischen Regimes verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben wurden.
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