Stolpersteine in Chemnitz

Hanna Luise Sachs

Stolperstein für Hanna Luise Sachs, geb. Cohn - auf dem Stolperstein steht: "Eulitzstraße 13 wohnte Hanna Luise Sachs, geb. Cohn, Jg. 1919, Flucht 1939, Argentinien

Hanna Luise Sachs, geb. Cohn
Geboren: 16. November 1919
Gestorben: 24. Januar 2017

Verlegeort:

Eulitzstraße 13 (heute Eulitzstraße 7)

 

 

Stolperstein-Verlegung am:

6. Mai 2026

 

Lebensweg

Gerardo und Hanna Sachs

Als Hanna Cohn am 14. Juli 1938 ihre Verlobung mit dem Fabrikantensohn Gerhard Günther Sachs in der Öffentlichkeit bekanntgab, lebte ihr Bräutigam bereits in Buenos Aires. 

Was ist über die erstgeborene Tochter des Rechtsanwaltes Dr. Fritz Gabriel Cohn bekannt? Sie hatte noch zwei Geschwister: Hilde Gabriele und Franz Theodor. 

Hanna wuchs in einem kunstinteressierten Elternhaus auf dem Kaßberg auf. Ihre Mutter Flora Margot war die Schwester des Verlegers Gottfried Bermann Fischer. Ihr Onkel Martin Cohn war mit dem bekannten norwegischen Kunstmaler Edvard Munch bekannt oder gar befreundet.

Nach Hannas Geburt suchten ihre Eltern eine neue Wohnung. Bislang wohnten sie im Haus Heinrich-Beck-Straße 11, wo ihre Großeltern väterlicherseits ihren Wohnsitz hatten. Ihre Eltern fanden eine größere Wohnung in dem unweit gelegenen Haus Eulitzstraße 13. Das Haus überstand die alliierten Luftangriffe auf die Stadt Chemnitz im Frühjahr 1945 nicht. 

Anhand einer Beschreibung von Bruder Franz können wir uns eine Vorstellung über die Wohnung im I. Obergeschoss machen: „Eulitzstraße 13 war ein fünfstöckiges Gebäude aus dem neunzehnten Jahrhundert ohne Fahrstuhl, mit einer großen 6-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss. – Wir lebten auf der ersten Etage. Als Hilfe hatte Margot eine Köchin/Dienstmädchen (Johanne) und das Kindermädchen (Dora). Außerdem kam Frau Krüger fürs Waschen und Bügel. – Es brauchte alle diese Hilfe, um den altmodischen Haushalt mit drei Kindern und einem Umgang mit einer großen Familie und großem Freundeskreis zu führen.“ 

Zu Hannas Freunden gehörten u. a. Helga Sachs, Irene Avramovici, Gerhard Sachs, Herbert Sachs, Herbert Schreiber, Walter Mecklenburg und Gustav Wangenheim. Sie waren Mitglieder der Ortsgruppe des 1933 gegründeten Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend. 

Die Schwestern Hanna und Hilla besuchten bis 1937 die Höhere Mädchenbildungsanstalt in Chemnitz. Hanna setzte ihre Ausbildung an der orthodoxen Jüdischen Haushaltungsschule in Frankfurt (Main) fort. 

Gerhard Sachs, Hannas Verlobter, hatte in Argentinien eine Arbeit als Textilmaschinentechniker gefunden. Daher konnte er im April 1938 das Land verlassen und sich in Buenos Aires anmelden. Er ließ Hanna, die in froher Erwartung war, zurück. Eine Abtreibung, die in Budapest erlaubt war, kam für die junge Frau nicht in Frage. Daher verlobten sich die beiden. Damit gingen sie das gegenseitige Versprechen ein zu heiraten. Um mit dem erwarteten Kind Gerhard nach Argentinien nachfolgen zu können, mussten beide verheiratet sein. Mit Hilfe des argentinischen Konsuls in Leipzig konnte Dr. Fritz Cohn, Hannas Vater, am 9. November 1938 eine Ferntrauung organisieren. Die Trauung nach jüdischer Sitte wurde später in Buenos Aires vom ehemaligen Chemnitzer Rabbiner Dr. Hugo Fuchs nachgeholt. 

Noch in Chemnitz wurde am 28. Dezember 1938 ihre Tochter Tana geboren. Eine jüdische Hebamme half bei der Geburt. Im April 1939 konnten Ehefrau und Tochter ebenfalls nach Buenos Aires auswandern. 

Gerardo Sachs, wie er sich in der neuen Heimat nannte, war eine Zeit lang Berater der argentinischen Regierung für neue Staatsbetriebe in der Textilindustrie. Gerardo und Hanna Sachs verlebten ihren Lebensabend teils in Buenos Aires, teils in Villa Gesell, einem Badeort an der Küste der Provinz Buenos Aires. Zuletzt lebten die Eheleute in einer Seniorenresidenz. Gerardo Sachs starb am 12. Februar 2012 in Buenos Aires. Seine Witwe lebte weiterhin in der Seniorenresidenz. Laut Auskunft von Tochter Tana starb Hanna Sachs nach langer schwerer Krankheit in einem Pflegeheim. Die Eheleute wurden auf einem privaten Jüdischen Friedhof in Colinas del Tiempo, 50 Kilometer außerhalb von Buenos Aires gelegen, zur letzten Ruhe gebettet.

Bereits am 10. September 2014 wurden an dieser Stelle zwei Stolpersteine verlegt, mit denen an Hannas Eltern erinnert wird, die im Vernichtungslager Auschwitz den Tod fanden.

Autor: Dr. Jürgen Nitsche

Hier liegt der Stolperstein von Hanna Luise Sachs:

Stolpersteine in Chemnitz

Es ist ein Projekt gegen das Vergessen: in Chemnitz werden seit 2007 jährlich Stolpersteine verlegt.

Eingelassen in den Bürgersteig, erinnern die Gedenksteine an tragische Schicksale von Mitbürgern, die während des nationalsozialistischen Regimes verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben wurden.

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