Stolpersteine in Chemnitz
Else Schendel
Else Schendel, geb. Wolffheim
Geboren: 18. Februar 1888
Gestorben: 09. Mai 1942
Verlegeort:
Hohe Straße 9
Stolperstein-Verlegung am:
6. Mai 2026
Fotos der Stolpersteinverlegung
Lebensweg
Als sich Else Wolffheim am 9. Juni 1913 in Berlin mit dem Kaufmann Hermann Schendel vermählte, lebte dieser bereits drei Jahre in Chemnitz.
Was ist über die Tochter des Kaufmanns Hermann Wolf Wolffheim und seiner bereits am 30. März 1888 verstorbenen Ehefrau Mindel Wilhelmine Pfeiffer bekannt? Elses Mutter starb nur sechs Wochen nach deren Geburt. Regina Landsberg übernahm zwei Jahre später die Rolle der verstorbenen Mutter.
Hermann Schendel, der aus dem ehemaligen Landkreis Gnesen stammte, hatte am 5. März 1910 in Chemnitz ein Herren- und Knabenkonfektionsgeschäft im Haus Lange Straße 22 eröffnet. Ende 1919 ging dieses mehrstöckige Geschäftshaus auch in seinen Besitz über. Anfangs unterstützte ihn seine Schwester Bertha, die aber bereits im Frühjahr 1912 in Chemnitz starb.
Die Eheleute hatten zwei Töchter: Gerda und Margit Ursula. Die Familie wohnte eine Zeit lang im Haus Stollberger Straße 35, bevor sie um 1934 im Haus Hohe Straße 9 eine angemessene Wohnung fanden. Damit wohnte die Familie in dem Haus, in dem sich bis 1938/39 das Israelitische Gemeindeamt befand.
Hermann Schendel war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein engagierter Gemeindefunktionär. So war er eine Zeit lang Zweiter Vorsitzender der Kollegien der Israelitischen Religionsgemeinde in Chemnitz. Darüber hinaus unterstützte er die Friedhofskommission und den Ausschuss für die Gründung eines Jüdischen Schulvereins.
Am 9. März 1935 feierte Hermann Schendel das 25-jährige Firmenjubiläum. Besonders seine Reklame überzeugte: „Willst Du Dich wirklich billig taufen, musst Du nur zu Schendel laufen!“ Er bewarb insbesondere seine „Maßabteilung“, die unter Leitung eines ersten Fachmannes stand und „nur erprobte Zuschneider und Arbeitskräfte“ beschäftigte. Nur so konnte er die Folgen des Judenboykotts vom April 1933 halbwegs abfangen.
Hermann Schendel starb am 24. März 1936 in Chemnitz und wurde auf dem Jüdischen Friedhof im Ortsteil Altendorf beigesetzt. Seine Witwe verkaufte im Herbst 1939 das Geschäftsgrundstück. Zuvor hatte sie das Geschäft aufgelöst. Im Juli 1938 war es aus dem Handelsregister Chemnitz gelöscht worden.
Else Schendel verlegte in der Folgezeit ihren Wohnsitz nach Berlin-Charlottenburg, wo ihre Tochter Margit Ursula seit Juni 1937 wohnte. Diese hatte bis dahin eine Schule für Körperziehung in Chemnitz geführt. Noch im März 1937 hatte sie Tanzvorführungen beim Sportklub Makkabi angeboten.
Mit dem 19. Osttransport wurde Else Schendel gemeinsam mit 800 Personen am 5. September 1942 in das Ghetto nach Riga deportiert. Drei Tage später wurde sie ermordet. Die überlebenden Töchter ließen nach 1945 auf dem Grabstein ihres Vaters einen Zusatz anbringen:
„In Erinnerung an Else Schendel, geb. Wolffheim, am 9.5.1942 nach Auschwitz deportiert.“
Höchstwahrscheinlich handelt es sich hierbei um einen Zahlendreher.
Autor: Dr. Jürgen Nitsche
Hier liegt der Stolperstein von Else Schendel:
Stolpersteine in Chemnitz
Es ist ein Projekt gegen das Vergessen: in Chemnitz werden seit 2007 jährlich Stolpersteine verlegt.
Eingelassen in den Bürgersteig, erinnern die Gedenksteine an tragische Schicksale von Mitbürgern, die während des nationalsozialistischen Regimes verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben wurden.
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