Sanierungs- und Fördergebiet Zwickauer Straße
„Magistralen sind Stadteingang, erste Adresse, Quartierszentrum und zugleich Zäsur, Barriere und Transitraum. Sie prägen das Gesicht der Städte und sind damit Ort größter Herausforderungen und Chancen für die Zukunft der Stadt.“ (Hamburger Bauforum 2020)
Auf die Zwickauer Straße, eine der Haupteinfallstraßen von Chemnitz, trifft diese Beschreibung zu:
Die in der Talaue des Kappelbachs verlaufende Straße besitzt die Erschließungsfunktion für das Chemnitzer Industriemuseum, die Messe Chemnitz, das Projekt „Garagencampus“ der europäischen Kulturhauptstadt (ehemaliges Straßenbahndepot) und verbindet die Chemnitzer Innenstadt mit den attraktiven Naherholungsgebieten im Westen der Stadt. Besonders vorherrschend derzeit sind jedoch die immobilienwirtschaftlichen, städtebaulichen und wirtschaftlichen Probleme entlang des 6 Kilometer langen Teilstücks zwischen Kappler Drehe und der Autobahn A72. Hier ist das Bild geprägt von Wohnungs- und Ladenleerständen, zahlreichen sanierungsbedürftigen (Industrie-) Gebäuden, Lärmemissionen sowie erheblichen Qualitätsdefiziten im öffentlichen Raum. Der Straßenraum ist stark verkehrsdominiert und wenig gestaltet.
Die städtebauliche Entwicklung und Sanierung dieses Bereiches ist deshalb ein Schwerpunkt der Stadtentwicklung in Chemnitz.
Aktuelles
Juli 2026: Abschnitt der Zwickauer Straße wird umgestaltet - ehemaliger Rittergutspark wird aufgewertet
In den Fördergebieten an der Zwickauer Straße werden bis zum Jahr 2032 weitere Maßnahmen umgesetzt. Diese dienen der Aufwertung des öffentlichen Raums und fördern private Gebäudesanierungen, den Grunderwerb zur Umsetzung von Projekten, weitere konzeptionelle Vertiefungen sowie die Gebietsbetreuung durch einen Sanierungsträger. Darüber hinaus können Gebäudeeigentümer:innen bei Modernisierungen im Sanierungsgebiet Steuerabschreibungen nutzen.
Ehemaliger Rittergutspark wird aufgewertet
Der Rittergutspark mit dem Zinnteich gehörte einst zum Ensemble des Schönauer Ritterguts. Heute ist die Grünfläche zum Teil stark verwildert und kann wenig genutzt werden. Das Areal weist jedoch großes Potenzial für die Naherholung im Stadtteil Schönau auf. In einem ersten Schritt wurde bis zum Frühjahr der Zinnteich entschlammt.
Bei einem Workshop im April 2026 stellten die Stadt Chemnitz und das Büro Querfeldeins die aktuellen Pläne zur Aufwertung des Rittergutparks vor. Mehrere Gestaltungsvarianten für die Bereiche Rittergutsufer, Rittergutswäldchen und Platz am Zinnteich wurden diskutiert. In der weiteren Planung wird nun eine Mischung aus den verschiedenen Varianten verfolgt. Ziel ist die Entwicklung naturnaher Freiräume und die bessere Nutzbarkeit des Parks sowie die Einbindung in die umliegenden Grünstrukturen entlang des Kappelbachs.
Die Baumaßnahmen auf dem Areal werden bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Parallel sollen in unmittelbarer Umgebung einige P+R-Stellflächen geschaffen werden.
Gestaltung der Zwickauer Straße zwischen Schillstraße und Am Feldschlößchen
Die Umgestaltung dieser prägenden Straße ist ein wichtiges Vorhaben im Gebiet. Nach mehreren Bürgerbeteiligungen und dem Zukunftsforum im Jahr 2024 begann die Planung zur Umgestaltung der Zwickauer Straße. Es folgten Abstimmungen mit den Versorgungsträgern, ein umsetzbarer Abschnitt zwischen Schillstraße und Am Feldschlößchen wurde herausgearbeitet.
Am 1. Juli 2026 beschloss der Chemnitzer Stadtrat den grundhaften Ausbau der Zwickauer Straße (B-080/2026). In mehreren Bauabschnitten soll bis Mitte 2028 der Straßenquerschnitt verändert und somit die Aufenthaltsqualität verbessert werden sowie beidseitige Radfahrstreifen, barrierefreie ÖPNV-Haltestellen und sichere Querungsmöglichkeiten geschaffen werden. Neu gepflanzte Straßenbäume auf beiden Seiten der Straße sollen die Folgen des Klimawandels mildern, da sie Schatten spenden und die Luftqualität verbessern. Im Bereich des Straßenbahnmuseums soll auf einer Länge von rund 130 Metern ein schmalspuriges Museumsgleis errichtet und in die Fahrbahn integriert werden.
Einrichtung eines Verfügungsfonds
Im April fand im Garagen-Campus eine Austauschrunde für Interessierte zu den Themen Verfügungsfonds und Pocket Parks statt. Die Einrichtung eines Verfügungsfonds für die Umsetzung kleiner Projekte im Sanierungs- und Fördergebiet Zwickauer Straße soll noch im Jahr 2026 starten. Dieser Fonds ist ein Instrument zur Unterstützung kleinerer Projekte und Aktionen im Stadtteil. Er hilft mit kleinen Zuschüssen, Ideen und Initiativen von Bürger:innen, Vereinen und lokalen Gruppen schnell und unkompliziert umzusetzen. So kann die gemeinsame Entwicklung im Stadtteil und Eigeninitiative gestärkt werden.
Gefördert werden kleine Projekte, die das Wohnumfeld verbessern, das Miteinander stärken oder zur Attraktivität im Stadtteil beitragen. Finanziert werden sie zu 50 Prozent aus Mitteln der Städtebauförderung und zu 50 Prozent aus Drittmitteln, beispielsweise durch Eigenleistungen, Spenden oder andere Beiträge. Ein lokales Gremium aus dem Stadtteil soll sich finden, um darüber zu entscheiden.
Sobald der Fonds eingerichtet ist, folgen hier weitere Informationen zu Antragsmöglichkeiten.
Folgende Maßnahmen wurden größtenteils mit Fördermitteln bereits umgesetzt bzw. befinden sich aktuell in Umsetzung:
- Sanierung Zwickauer Straße 164, Garagen-Campus
- Barrierefreie Zuwegung von der Straßenbahnhaltestelle auf das Areal Garagen-Campus
- Schaffung Spiel- und Aufenthaltsbereich am Feldschlößchen
- Zwickauer Straße 145, Sanierung Gießereihalle (roter Backsteinbau entlang der Lützowstraße)
- Erstellung Masterplanung Rittergutspark
- Grunderwerb zum Zwecke der Entwicklung Rittergutspark
- Gebietsbetreuung und Eigentümeransprache durch WGS mit Agentur StadtWohnen
- Niedrigschwellige Renaturierungsmaßnahmen an Kappelbach und Stelzendorfer Bach (im Gebiet)
- Planungsleistungen zur Sanierung Zwickauer Straße