Ziele und Konzeptionelle Grundlagen
Städtebaulicher Rahmenplan
Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 18.05.2022 den städtebaulichen Rahmenplan als Zielstellung für die städtebauliche und freiraumplanerische Entwicklung der Zwickauer Straße beschlossen (B-056/2022). Dieser dient als „Kompass“ für die nächsten Jahre, er formuliert wichtige städtebauliche „Leitplanken“ für die künftige Entwicklung und Gestaltung der Zwickauer Straße. Er fungiert jedoch nicht nur als strategischer Orientierungsrahmen, auf denen Planungen, Projekte und Maßnahmen aufbauen, sondern ist darüber hinaus das Fördergebietskonzept zur Beantragung von Finanzhilfen aus der Städtebauförderung.
Das ca. 107 ha große Planungsgebiet befindet sich südwestlich des Stadtzentrums von Chemnitz und durchläuft die Stadtteile Altendorf, Kappel und Schönau. Das Gebiet erstreckt sich zwischen der Bahntrasse im Süden und dem Kappelbach sowie dem Braustolz-Gelände im Norden, der A72 im Westen und der Kappler Drehe im Osten. Trotz zwischenzeitlich massiver Schrumpfungsprozesse nach der politischen Wende um 1990, ist die Zwickauer Straße bis heute ein wichtiger Industrie- und Gewerbestandort, dessen eindrucksvolle Industriedenkmäler von der historischen Bedeutung des Untersuchungsgebiets zeugen.
Allerdings hat der Niedergang einiger wichtiger Betriebe und die Abwanderung von Teilen der Bevölkerung Spuren hinterlassen – zahlreiche Brachflächen, mindergenutzte Flächen und Leerstände prägen das Gebiet heute. Die Rahmenplanung zeigt, mit Blick in die Zukunft, Ideen und Maßnahmen zur Herstellung eines lebendigen, differenziert gestalteten Straßenzuges und seines Rückraumes auf. Vier Handlungsfelder zeigen aus einem eigenen, thematischen Blickwinkel, die räumlichen und programmatischen Schwerpunkte, Perspektiven, Empfehlungen und Ziele für die Entwicklung der Zwickauer Straße auf:
- Wirtschafts- und Arbeitsorte
- Wohn- und Begegnungsräume
- Grün- und Freiräume
- Mobilitäts- und Bewegungsräume
Dabei sollen Brachen und Leerstände revitalisiert und Grün- und Freiräume aufgewertet bzw. neu geschaffen werden. Im Straßenraum soll der Verkehr zu entschleunigt und die Emissionen reduziert werden. Die damit verbundene Rückgewinnung öffentlicher Räume wird zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen. Ein ressourcensparendes, zukunftsfähiges Leben und Arbeiten in der Stadt wird ermöglichet.
Ziel ist es, die Zwickauer Straße als funktions- und zeitgerechten Wohn-, Arbeits- und Geschäftsbereich mit hoher städtebaulicher Qualität umzugestalten bzw. wiederzubeleben und in seiner Funktion als Eingangsbereich zur Innenstadt weiter zu entwickeln.
Die Erarbeitung des Rahmenplans wurde durch unterschiedliche Beteiligungsformate begleitet:
Vor-Ort-Gespräche
Mit den Gesprächsstationen vor Ort startete am 17. Juli 2020 der Dialogprozess zur gemeinsamen Entwicklung eines städtebaulichen Rahmenplans für die Zwickauer Straße. Insgesamt etwa 60 Bürger:innen folgten der Einladung, mit der Stadt und den Planungsbüros an drei Stationen im Untersuchungsgebiet (Kappelbach, ehem. Straßenbahndepot, Lutherkirche) ins Gespräch zu kommen und anhand Ideen und Vorschläge zur Weiterentwicklung des Stadtraums zwischen Kappler Drehe im Osten, Autobahn im Westen, Kappelbach im Norden und Bahnlinie im Süden einzubringen und mit Hilfe großformatiger Luftbilder zu diskutieren.
Online-Beteiligung
Die Online-Beteiligung startete bereits vor der ersten Beteiligung im Rahmen der Vor-Ort-Gespräche und war insgesamt vom 10. Juli bis zum 21. August 2020 online, rund 300 Personen nahmen teil. Die Bürger*innen waren aufgerufen, Ideen und Vorschläge zur Weiterentwicklung einzubringen und die städtebauliche Situation entlang der Magistrale zu bewerten. Auf einer Karte konnten Lieblingsorte und Orte mit besonderem Handlungsbedarf markiert und kommentiert werden.
Zukunftsforum
Das Zukunftsforum zum Rahmenplan für die Zwickauer Straße stellte den dritten Baustein der öffentlichen Beteiligung dar. Auf Grundlage der bisherigen Analysen und Beteiligungen (Vor-Ort-Gespräche und Onlinebeteiligung) wurden mögliche Maßnahmenoptionen für die Entwicklung der Magistrale vorgestellt und diskutiert. In der Coronazeit folgten insgesamt etwa 40 Bürger:innen der Einladung.
Nach der Präsentation des bisherigen Prozesses und der Zwischenergebnisse wurde parallel an drei Thementischen allen Teilnehmenden ein vertiefter Einblick und Diskussion ermöglicht, nach 20 Minuten wurde der Tisch gewechselt. Die Thementische behandelten die Oberthemen Lebenswelten, Öffentlicher Raum und Grünflächen und Mobilität und Bewegungsräume.
Abschlussveranstaltung
Am 29.09.2021 fand die Abschlussveranstaltung zum Rahmenplan Zwickauer Straße in den historischen Räumen des Straßenbahnmuseums statt. Vor rund 50 interessierten Bürger:innen wurden zunächst die Erkenntnisse der Vorbereitenden Untersuchung durch die KEWOG Städtebau erläutert und die dringlichsten Probleme der Zwickauer Straße dargelegt. Anschließend präsentierte das Auftragnehmerteam den darauf basierenden Rahmenplan und dessen Entstehungsprozess. Die vorgestellten Ergebnisse wurden durchweg positiv aufgenommen und wurden im Anschluss angeregt diskutiert.
Der Geltungsbereich des Rahmenplans umfasst eine Fläche von 106 ha. Innerhalb des Geltungsbereiches des Masterplanes wurden bereits einzelne Bebauungspläne aufgestellt und somit die baurechtlichen Voraussetzungen für eine hochbauliche Entwicklung geschaffen. Für ein Teilgebiet wurde ein Sanierungsgebiet förmlich festgesetzt.
Vorbereitende Untersuchungen nach § 141 BauGB – Vorbereitung eines Sanierungsgebietes
Mit dem Abwägungs- und Satzungsbeschluss (B-119/2022) am 13.07.2022 zur „Zwickauer Straße“ endeten die seit 2020 laufenden Vorbereitenden Untersuchungen. Die Untersuchungen der Stadt Chemnitz und der von ihr beauftragten Gesellschaft KEWOG Städtebau GmbH betrafen das Gebiet auf beiden Seiten der Zwickauer Straße zwischen dem Kappelbach im Norden, der Kappler Drehe im Osten, der Bahntrasse im Süden und der Autobahn A72 im Westen.
Zusätzlich wurde in dieser Zeit eine städtebauliche Rahmenplanung erarbeitet, die wichtige städtebauliche „Leitplanken“ für die künftige Gestaltung der Zwickauer Straße als Straßenraum und das gesamte Gebiet formuliert und darstellt. Bewohner, Eigentümer und Interessierte konnten sich in vielfältiger Weise durch Eigentümerfragebogen, Onlinebefragungen, öffentliche Auslegungen, Treffen im Gebiet, durch Präsentationen und Dialoge in der Messe und im Garagencampus aktiv einbringen.
Ergebnisse der vorbereitenden Untersuchungen:
Abgeleitet aus Vor-Ort-Begehungen, statistischen Auswertungen und der Bürgerbeteiligung wurden so erhebliche Defizite und Mängel für das Untersuchungsgebiet ermittelt, die den Bedarf für die städtebaulichen Maßnahmen zur Verbesserung des Gebietes über einen längeren Zeitraum begründen:
Leerstände von Gewerbebauten, Geschäften und Wohnungen, Sanierungsstau und Instandhaltungsmängel an Gebäuden,
bedrohte denkmalgeschützte Bausubstanz,
geringer Anteil Grün- und Freiflächen, ökologische Defizite vorhandener Grünflächen und Gewässer,
Funktionsdefizite aufgrund fehlendem Stadtteilzentrum,
Überdimensionierter Verkehrsraum und Defizite im Straßenraum Zwickauer Straße mit Unfallpotenzial, Verkehrs- und Lärmbelastung,
Stellplatzprobleme.
Der größte Handlungsbedarf besteht für den östlichen Teil des Untersuchungsgebietes. Deshalb wurden dafür die Sanierungsziele bestimmt und am 13.07.2022 ein „Sanierungsgebiet“ nach § 142 Baugesetzbuch (BauGB) durch Satzungsbeschluss des Stadtrates festgelegt. Die Sanierung soll dazu beitragen, das Gebiet „Zwickauer Straße“ als funktions- und zeitgerechten Wohn-, Arbeits- und Geschäftsbereich mit hoher städtebaulicher Qualität umzugestalten und wiederzubeleben. Das Sanierungsgebiet soll in seiner Funktion als Eingangsbereich zur Innenstadt weiterentwickelt werden.